Wanderglossar

Definitionen rund um die Bergwelt


In meinen Wanderbeiträgen schmeisse ich manchmal mit Begriffen um mich, welche nicht jedermann gängig sind (zugegeben manchmal auch mir selbst nicht ;-)). Daher habe ich ein Wanderglossar mit Begriffen erstellt, welche einem im Bergsport immer wieder begegnen.

 

Wenn euch also beispielsweise der Unterschied zwischen Sattel und Scharte oder die Definition von Wandern interessiert, oder ihr wissen möchtet was die Bergwelt mit der menschlichen Anatomie zu tun hat, dann erfahrt mehr darüber in meinem Glossar.

 

Das Wanderglossar ist nicht abschliessend und wird stetig ergänzt und angepasst.

 

A

Alpinwanderung

Bei einer Alpinwanderung befindet man sich im höhergelegenen, steilen und oft unwegsamen und exponierten Gelände. Die Wanderwege sind weiss-blau-weiss markiert und beginnen ab der Schwierigkeitsskala T4. Mehr Informationen dazu findet ihr auch hier.

 

B

Bergwanderung

Bei einer Bergwanderung befindet man sich im eher steilen und teilweise exponierten, jedoch gut gesicherten Gelände. Die Wanderwege sind weiss-rot-weiss markiert und beginnen ab der Schwierigkeitsskala T2. Mehr Informationen dazu findet ihr auch hier.

 

Bocchetta

Im Tessin trifft man oft den Begriff „Bocchetta“ an. Er ist gleich zu verstehen wie der deutsche Begriff Pass (vgl. Pass im Glossar). Übersetzt aus dem italienischen bedeutet Bocchetta „Öffnung“ und im übertragenen Sinne in den Bergen eine Öffnung im Bergkamm.

 

C

Couloir

Das Couloir ist eine längliche, vertikale und meist enge Vertiefung, beziehungsweise Rinne im Fels. Der Begriff stammt aus dem französischen und heisst so viel wie „Korridor“. Das Couloir dient den Bergsportlern meist als enger Korridor im steilen Gebirge.

 

Coupiertes Gelände (auch kupiertes Gelände)

Das coupierte Gelände ist nicht eben, sondern geprägt durch Einschnitte in Form von Gräben, Hügeln, Rinnen, Mulden, etc. und zeichnet sich durch ein wellenartiges Relief aus. Der Begriff „coupiert“ stammt vom Französischen „couper“ ab und bedeutet so viel wie zerschneiden oder unterbrechen.

 

E

Exponiert

Eine exponierte Stelle ist eine besonders ausgesetzte Stelle, an welcher eine erhöhte Absturzgefahr besteht. Exponierte Stellen befinden sich meist im steilen oder unwegsamen Gelände.

 

G

Gipfel (auch Berggipfel)

Der Gipfel ist die höchste Stelle eines Berges oder Gebirgskammes. Synonym dazu ist auch die Bergspitze.

 

Grat (auch Gebirgsgrat, Berggrat)

Der Grat ist die oberste, scharfe Kante eines auf beiden Seiten steil abfallenden Geländes, beziehungsweise auf einem scharfen Bergrücken. Der Begriff stammt vom Rückgrat ab und stellt bildlich gesehen das Rückgrat eines Bergrückens dar.

 

Örtlich betrachtet ist der Grat eine schmale, horizontal verlaufende Verbindung zwischen Berggipfeln.

 

J

Joch (auch Gebirgsjoch)

Das Joch ist ein Synonym zum Pass. Das Wort stammt, wie auch der Sattel, aus der Nutztierhaltung und beschreibt der auf dem Nacken oder der Stirn der Zugtiere aufliegende Teil des Zuggeschirrs.

 

K

Kamm / Krete (auch Gebirgskamm, Bergkamm, Alpenkamm)

Der Kamm besteht aus mehreren Gebirgsgipfeln, welche mittels Gebirgsgrate / Bergrücken (längs verlaufend) miteinander verbunden oder durch Gebirgssattel / Pässe / Joche (quer verlaufend) voneinander getrennt sind.

 

Durch die mehreren, in die Höhe ragenden Gipfel, sieht das Gebirge von weitem aus wie ein Kamm, welcher auch als Namensgeber dient.

 

Kar

Das Kar ist eine kesselartige Mulde in Berghängen, welche durch die Erosion von kurzen Gletschern gebildet wurde. Am Ende der Mulde befindet sich charakteristischerweise die ansteigende Karschwelle, welches sich als Endmoräne (wallartige Aufschüttung von Gesteinsmaterial eines Gletschers) ausbildet. In der Kargrube entstehen oft auch Karseen.

 

Kessel (auch Gebirgskessel oder Felskessel)

Der Kessel beschreibt ein Tal beziehungsweise eine Vertiefung, welche in der Regel rundum oder mindestens im Halbkreis von Bergen umschlossen ist.

 

Das Wort stammt vom Kochkessel ab, da das von Bergen ringsum eingeschlossene Tal aussieht wie ein Kessel.

 

M

Mulde / Senke (auch Gebirgsmulde)

Die Mulde ist eine grossflächige, horizontalliegende und eher flache Vertiefung im Gelände.

 

P

Pass (auch Gebirgspass)

Der Pass ist die niedrigste, gangbare Stelle zwischen zwei Bergen. Das Wort stammt vom französischen Wort „passage“ ab, was so viel bedeutet wie Übergang.

 

Örtlich betrachtet ist der Pass ein Übergang von Tal zu Tal und liegt quer zum Bergkamm.

 

R

Rücken (auch Bergrücken)

Im Gegensatz zum Grat ist der Rücken ein eher abgerundetes nicht scharfkantiges Gelände zwischen Berggipfeln. Genauer bezeichnet der Bergrücken die obere, leicht gewölbte Fläche auf einem langgestreckten Berg. Der Begriff stammt aus der Anatomie und kann mit dem Rücken verglichen werden. Der Gart ist dabei vergleichbar mit dem Rückgrat (höchste, längsverlaufende Kante des Rückens).

 

S

Sattel (auch Bergsattel)

Der Sattel ist ein sanft geschwungener, u-förmiger Pass. Wenn man den Bergsattel im Gebirgskamm betrachtet, sieht er von der Form aus wie ein Reitsattel, welcher auch als Namensgeber dient.

 

Scharte (auch Bergscharte)

Im Gegensatz zum Sattel ist die Scharte ein steiler, v-förmiger Pass, beziehungsweise eine schroffe Vertiefung in einem Bergkamm.

 

Schlucht

Die Schlucht ist ein meist steiler und enger Taleinschnitt, welcher von steil aufragendem Felswänden und Gebirge umgeben ist.

 

Schrofen

Bei Schrofen handelt es sich um steiles und felsiges Gelände. Das Adjektiv dazu ist „schroff“ und bedeutet so viel wie „abschüssig“.

 

Schulter (auch Bergschulter)

Die Schulter bezeichnet den Übergang eines Steilhanges in ein flacheres Hangstück. Vergleichbar mit der menschlichen Schulter, welche den Übergang des senkrechten Armes in den waagerechten Nackenbereich darstellt.

 

U

Überhang

Der Überhang ist ein Teil einer Felswand, wessen Steigung mehr als 90 Grad aufweist. Oft handelt es sich um einen auskragenden Teil einer Felswand.

 

W

Wandern

Wenn man sich die Herkunft des Wanderns näher anschaut, dann muss in der Zeit weit zurückgehen. Bei unseren Vorfahren hatte das Wandern (noch) einen bestimmten Zweck: Es diente ganz ursprünglich dem Auffinden von Nahrung oder von Unterschlüpfen. Später wanderte man für die Arbeitsuche oder zu Forschungszwecken. Heute – und dies vor allem in entwickelten Ländern – ist das Wandern meist nicht mehr zweckgebunden. Wir machen es aus Selbstzweck, weil wir uns gerne aktiv in der Natur bewegen, weil es uns entspannt. Entsprechend einer Studie des deutschen Wanderverbands aus 2010 definiert sich Wandern folgendermassen:

 

„Wandern ist Gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung sind:

  • eine Dauer von mehr als einer Stunde,
  • eine entsprechende Planung,
  • Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie
  • eine angepasste Ausrüstung“

 

Für mich persönlich ist wandern, zu Fuss Unterwegssein, in einer von Menschen meist unbewohnten Landschaft. Wanderungen können sich physisch (Ausdauer, Technik), psychisch (mentale Beanspruchung) sowie landschaftlich (Natur, Umgebung) unterscheiden, jedoch ist jeder einzelne Aspekt enthalten. Jede Wanderung bedingt vorab eine Auseinandersetzung mit der Route (Gelände, Schlüsselstellen, Alternativen) der Verhältnisse (Wetter, Tages- und Jahreszeit), und der Teilnehmenden (Verfassung, Können, Zeitplanung, Ausrüstung).

 

Wechte/Wächte

Bei Wechten handelt es sich um durch den Wind angesammelte und überhängende Schneeablagerungen, welche sich auf der vom Wind abgewandten Bergkante befinden. Bei der Begehung von Wechten ist grosse Vorsicht geboten, da die Risskarte oft sich sichtbar ist und somit Absturzgefahr besteht.